Politeia – Platons Idee eines gerechten Staates

Platon galt als eines unserer größten Vordenker. Er war zumindest eines der begabtesten Denker seiner Zeit im antiken Griechenland. Viele wissen, dass das alte Griechenland auch für die Philosophie sehr bekannt war. Daher ist es auch nur wenig wunderlich, dass Platon eine Idee eines gerechten Staates formulierte. Diese Idee ist meiner Meinung eines seiner am meisten missverstandenen Werke und dieses Werk ist etwas, was nach wie vor heute Gültigkeit hat. Genau genommen halte ich Platons Politeia für die utopische Vorstellung eines gerechten Staates. Wer von einem utopischen Staat träumt, der muss sich meiner Meinung nach mindestens einmal mit Platons Politeia auseinander gesetzt haben.

Wichtig ist, dass Platon in seinem Staat folgende Kategorisierungen vornimmt: Er unterscheidet zwischen den Begehren, der Tatkraft und der Vernunft. Logisch dabei zu sagen ist, dass jeder Mensch alle drei Stufen verfolgt oder es zumindest dies tun sollte. Platon meint aber, dass es für einen Staat gesund ist, wenn man die Menschen in ihren Rollen darin unterteilt, dass sie nur eines der drei Dinge in ihrem Hauptanliegen erfüllen. So sind zum Beispiel die Bauern für das Begehren verantwortlich. Nach Platon ist zum Beispiel Hunger ein Begehren. Begehren umfasst hier alles, was der Mensch zum Überleben oder zur Erfüllung seiner Begierde braucht.
Die Tatkraft hingegen wird von den Wächtern erfüllt. Diese führen ohne zu hinterfragen die Befehle ihrer Herrscher aus. Sind also für die Überwachung des Volkes notwendig. Sie sind die Exekutive der Vernunft.
Die Vernunft dagegen sind in Platons Politeia die Philosophen. Platon war der Meinung, dass nur ein Philosoph, der sich mit Ethik, der Frage nach dem, was gerecht ist, und sich auch mit der Frage des Lebenssinn beschäftigte, ein wahrer Herrscher sein kann. In Platons Idee versucht ein Herrscher sich komplett frei zu machen von seinem Egoismus, seiner materiellen Begierde oder auch zur Bindung mit seiner Familie. Ein Herrscher also ein Philosoph darf nur nach dem höheren Wohl bestrebt sein. Er verzichtet auf Eigentümer, er verzichtet auf seine Familie. Seine Worte und seine Entscheidungen richten sich allein nach dem Wohle des Volkes.

Wenn nicht […] entweder die Philosophen Könige werden in den Staaten oder die jetzt so genannten Könige und Gewalthaber wahrhaft und gründlich philosophieren und also dieses beides zusammenfällt, die Staatsgewalt und die Philosophie, die vielerlei Naturen aber, die jetzt zu jedem von beiden einzeln hinzunahen, durch eine Notwendigkeit ausgeschlossen werden, eher gibt es keine Erholung von dem Übel für die Staaten […] und ich denke auch nicht für das menschliche Geschlecht, noch kann jemals zuvor diese Staatsverfassung nach Möglichkeit gedeihen und das Licht der Sonne sehen, die wir jetzt beschrieben haben. (Platon)

Wenn diese drei Kategorisierungen im Grunde in einem Staat erfüllt worden sind, dann ist der Staat ziemlich nahe an Platons Politeia (was er auch als Licht der Sonne bezeichnet). Die Frage, die hier zu stellen ist: Wie kann ein Herrscher gerecht herrschen? Diese Frage stellt sich auch Platon in seinem Gerechtigkeitsprinzip:

Die schlimmste Art der Gerechtigkeit ist die vorgespielte Gerechtigkeit. (Platon)

Er ist nämlich der Ansicht, dass viele Menschen aus der Idee einer falschen Gerechtigkeit heraus handeln. Auf dieses geht er auch ein bisschen in seinem Höhlengleichnis ein. Die aktuellen Herrscher vermitteln den Menschen einen falschen Gerechtigkeitssinn, um die Menschen an sich zu binden und ihre Herrschaft zu legitimieren. Sie nutzen die Idee der Gerechtigkeit aus, um ihre eigene Interessen zu verfolgen. Die Frage ist: Kann es gerecht sein, meinem Feind Unheil anzutun, wenn er mir Unheil angerichtet hat? Schon Platon wusste die Frage nach dem „Auge um Auge, Zahn um Zahn“-Prinzip mit einem klaren Nein zu beantworten. Er wusste, dass jemand der das Schwert der Gerechtigkeit  schwingen will, in der Lage sein muss, über die Fehler seiner Mitmenschen zu stehen und ihnen die Bedeutung der Gerechtigkeit zu zeigen. Auch fragt Platon anschließend danach, ob dann die Gerechtigkeit einen selbst nützt? Scheint es doch mehr ein aufopferndes Verhalten zu sein in Anbetracht dessen, dass man über die Fehler anderer Menschen hinwegsehen muss. Diese Frage beantwortet er mit: Ja, sie nützt mir. Wer im Namen der Gerechtigkeit auftritt verhilft der gesamten Gesellschaft darin die Gerechtigkeit einzuführen und ermöglicht es damit, wenn er genügend Anhänger findet, auch selbst besser zu leben.

Das Gerechtigkeitsprinzip besteht auch in der Aufteilung von materiellen Eigentümern. Platon lehnt materielles Eigentum ab und ist der Meinung, dass Leute in Machtpositionen sei es als Wächter (Tatkräftige) und auch der Herrscher (Vernünftige) komplett auf Eigentümer verzichten müssen, damit es in einem Staat gerecht zugehen kann.

Das ist der beglückteste Staat, in welchem das Mein und Dein am wenigsten gehört wird, weil da die Bürger alles was Achtung verdient, am meisten gemeinschaftlich brauchen. (Platon)

Viele von uns wissen, dass Platon Vegetarier war, was zur damaligen Zeit fast schon der veganen Ernährung entsprach. Einfach aus dem Grunde, dass selbst gegenüber Tieren nach Platons Ansicht Gerechtigkeit geben muss. Sie teilen zwar nicht unser handwerkliches Geschick und unsere Sprache, aber auch sie haben ein grundlegendes Bedürfnis nach Nahrung und existenzieller Sicherheit. Wer also sich selbst diese beiden Bedürfnisse zugestehen will, muss auch anderen Lebewesen, auch wenn es scheinbar primitive Lebewesen sind, eben jene beide Bedürfnisse zugestehen. Denn nur so neigt der Mensch zu Vollkommenheit. Wer anfängt zu selektieren, wer die Erfüllung der Bedürfnisse verdient und wer nicht, der wird niemals im Leben gerecht handeln können.

Wie ihr seht, wäre es selbst heute noch ein weiter Weg zu Platons Politeia. Wir können sein Höhlengleichnis als Kritik auf unsere Gesellschaft anwenden, wo Medien, Politiker und sogar Lebensmittelindustrien so manches Ungerechte als gerecht verkaufen. Unsere Aufgabe ist es alles was wir tun, was wir erfahren und was wir sehen kritisch zu hinterfragen. Selbst als wir vegan lebende Menschen, die die Missstände der Tiere beenden wollen, dürfen uns niemals der „Rache“ hingeben, im Glauben daran, dass es für die Tiere gerecht sei. Ebenso müssen wir unsere Mitmenschen, ob wir sie mögen oder nicht, ihnen zuhören und zu Wort kommen lassen. Wir wissen, dass wir es besser machen, also lass uns allen anderen helfen, dies auch zu tun.

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