Minimalismus – Warum nicht jeder technische Fortschritt schlecht ist

Wenn wir uns mit den Begriff Minimalismus beschäftigen, dann beschäftigen wir uns als erstes mit der Philosophie unser eigenes Leben aufzuräumen. Der Grundgedanke ist mit dem zu leben, was wirklich für das eigene Leben als notwendig zu betrachten ist. Wir wollen, indem wir uns minimalisieren, nicht mehr ein Haufen „Dinge“ bei uns haben, die wir vielleicht überhaupt gar nicht mehr brauchen. Aber auch sehen viele im Begriff Minimalismus eine Tendenz sich qualitativ hochwertigere Ware zu kaufen. Dies könnte zum Beispiel damit geschehen, dass lieber ein Auto von Volkswagen als von Peugeot gekauft wird oder auch damit, dass man lieber auf alte Technologien setzt, denen nachgesagt wird, dass sie über Jahrzehnte halten, wie zum Beispiel Bildschirme statt neue Technologien die schnell kaputt gehen.

Wieder andere sehen in Minimalismus auch eine Grundlage darin, jeden gesellschaftlichen als auch technischen Fortschritt aus ihrem Leben zu verbannen. Sie wollen so etwas wie eine künstliche Intelligenz, die den Haushalt steuert, gar nicht in ihrem Leben haben. Sie setzen lieber auf Bücher statt eReader. Sie verstehen den Minimalismus so, ihr Leben sozusagen minimal zu halten. Dies bedeutet in einer früheren Zeit zu leben, indem man sich mit technologischen Neuheiten gar nicht erst auseinander setzt und lieber bei altbewährten im Leben bleibt.

Ich persönlich sehe eine solche Einstellung eher kritisch. Schließlich ist der Trend minimal zu leben auch mit dem Trend so umweltfreundlich wie möglich zu leben verbunden. Das heißt wir minimalisieren uns, verkaufen Dinge, die wir nicht brauchen, aber leben auch so, dass wir die Dinge, die wir haben effektiv nutzen können. Wir nehmen ein wenig mehr Geld in die Hand und nutzen zum Beispiel unsere Waschmaschine statt 3-4 Jahre lieber 10 Jahre. Aber muss man, um umweltfreundlich leben zu können, jeden technologischen Fortschritt verteufeln?

Nehmen wir zum Beispiel einen eReader. Viele Minimalisten greifen lieber zu einem Buch. Sie kaufen sich das Buch ein und verkaufen es eventuell später wieder oder sie bewahren es sich auf, wenn sie es noch häufiger lesen wollen. Aber warum muss man einen eReader deswegen verteufeln? Im Ökobilanzvergleich zwischen einen eReader und Büchern liegt die Ökobilanz eines einzelnen eReaders gleich auf mit insgesamt 8 Büchern. Viele vergessen nämlich, dass ein Buch auch einen ganzen Herstellungsprozess hinter sich hat. Das dafür ein Baum gerodet werden muss, dass das Papier hinterher gebleicht wird. Sicher gibt es auch Bücher die aus 100% recycelbaren Papier hergestellt werden, aber diese sind eher in der Seltenheit. Zudem brauchen Bücher auch einfach viel mehr Platz. Einen einzelnen eReader kann man sich überall aufbewahren und es ist einfacher ihn unterwegs mit dabei zu haben und auch mal im Zug oder im Flugzeug damit zu lesen ohne das man sich dann für ein einzelnes Buch entscheiden muss.
Das heißt ein eReader bedeutet nicht nur Luxus oder Bequemlichkeit, bei Viellesern liegt ein eReader in der Ökobilanz vorne. Natürlich ist dies nichts für Leute, die vielleicht mal ein Buch pro Jahr lesen.

Ein weiteres Beispiel liegt im Bereich der Home Automation. Wenn man es schafft, die Heizungen immer optimal einzustellen, so dass man immer eine sehr gute Ökobilanz seiner Heizkörper hat, dann ist dies natürlich hervorragend. Aber ganz ehrlich, wer bekommt dies schon hin? Denkt man immer daran, sobald man sich auf den Weg nach draußen befindet, das Fenster aufmacht oder sich ins Bett legt, die Heizungen herunter zu drehen? Natürlich gibt es auch Leute, die gerne frieren und ihre Heizungen im Winter auf einen Mindestwert halten, aber sollte man auch nicht so minimal leben, dass die eigene Gesundheit und das eigene Wohlbefinden darunter leidet. Ich finde nicht, dass man eine Home Automation verteufeln muss. Eine moderne künstliche Intelligenz denkt mit, es gibt KI’s, die erkennen es, wenn eine Person sich aus dem Haus bewegt, indem die WLAN Verbindung des Handys abbricht und stellen deshalb die Heizungen herunter. Genauso kann man sie auf bestimmte Timer einstellen, so dass die Heizung in der Nacht herunter fährt. Ebenso erkennt eine Home Automation Technologie, wenn ein Fenster auf ist.
Natürlich kann es dabei datenschutzrechtliche Bedenken geben, aber ich wollte euch hiermit positive Beispiele von moderner Technologie aufzeigen, die nicht gegen das Minimalismusprinzip verstoßen und auch für eine positive Ökobilanz sorgen. Erneuerbare Technologien und immer effizientere Systeme bei Herdplatten, Waschmaschinen etc. erwähne ich hier erst gar nicht. Das dies ökologisch sinnvoll ist, sollte jedem klar sein.

One Comment on “Minimalismus – Warum nicht jeder technische Fortschritt schlecht ist

  1. Mir persönlich stellt sich immer die Frage: BRAUCHE ich das wirklich? Wird es mein Leben wirklich verbessern? Spart es mir Zeit, Platz oder Geld? Wo ist der Nachteil? Immer wieder stelle ich dann fest: Brauche ich NICHT… Natürlich gibt es auch gute und nützliche neue Dinge. Ich halte es einfach so: „Prüft ALLES, und das Gute behaltet“. 🙂

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