Antinatalismus – Ist es moralisch vertretbar Kinder zu kriegen?

Die Theorie des Antinatalismus unter anderem auch von Arthur Schopenhauer lehnt die menschliche Reproduktion innerhalb der Gesellschaft grundsätzlich ab.
Das heißt Menschen, die sich selbst als „Antinatalisten“ bezeichnen, lehnen es selbst ab Kinder zu bekommen. Als vorrangiges Ziel des Antinatalismus gilt der Umweltschutz beziehungsweise die Lebenserhaltung auf der Erde und einen Kollaps oder ein weiteres Ausbeuten der Natur in der Zukunft zu vermeiden.
Ich finde, wenn man sich mit der Frage beschäftigt, ob es heute moralisch vertretbar ist in der modernen Gesellschaft Kinder zu bekommen, sollte man sich auch mit folgender Frage beschäftigen: Die Moral der Menschheit im Gesamten oder auch der eigenen Moral des Individuums.

Sieht man es aus dem moralischen Standpunkt der gesamten Menschheit, dann kann man die Frage klar mit nein beantworten. Wir leben in Zeiten, wo die Lebenserhaltung von Menschen immer besser wird und auch, wo Menschen aus anderen vielleicht auch ärmeren Ländern oder anderen Religionen immer mehr Kinder bekommen. Häufig sind es Bildungslücken und religiöse Ansichten, die eine unkontrollierte Reproduktion gerade in afrikanischen oder südamerikanischen Ländern vorantreiben.
Wenn man selbst es besser weiß und auch zu dem Standpunkt angelangt ist, dass eine weitere menschliche Reproduktion für den Planeten nicht zu befürworten ist, dann sollte man sich klar dagegen entscheiden Kinder zu bekommen. Nur mit einer Abnahme der menschlichen Zivilisation würde sich der Planet wieder etwas erholen können und auch die Tierwelt sich wieder vermehren.

Und dennoch haben viele Leute bei der Ein-Kind-Politik aus China aufgeschrien. Viele hatten es als unmenschlich bezeichnet, da es einfach nicht den eigenen menschlichen Instinkten entspricht…

Dabei stellt sich die Frage nach dem moralische Standpunkt des Individuums. Ich selbst bin kinderlos, aber dennoch habe ich aus familiären Gründen in meinem Leben viel mit Kindern zu tun gehabt. Wir alle haben den natürlichen Antrieb in uns und sind genauso wie die Tiere darauf veranlagt uns fortpflanzen zu wollen. Wir erleben den dazu nötigen Geschlechtsverkehr als eines der schönsten Dinge in unserem Leben. Natürlich haben wir auch so etwas wie Verhütung erfunden, um uns zumindest im kontrollierten Maße fortzupflanzen.
Aber die Veranlagung uns fortzupflanzen ist in fast jedem von uns vorhanden. Warum eigentlich? Kinder können viel Stress, eine Menge Ärger, dauerhafte Geldprobleme in der Zukunft und vieles weitere bedeuten.
Darüber ließe sich spekulieren, aber man kann sagen, dass es der Wunsch nach Unsterblichkeit ist, es ist der Wunsch jemanden zu haben, in denen das eigene Erbgut weiterlebt. Man fühlt sich als Mensch im Spiegel seiner eigenen Kinder. Auch ist es der Wunsch, seine eigene Kindheit in den Augen eines Kindes wieder zu erleben. Vielen Erwachsenen ist die Leichtigkeit das Leben zu sehen abhanden gekommen und man möchte gerne diese „Leichtigkeit“ im Leben erneut durch die Augen eines Kindes sehen.
Es mag zwar anhand der Krise in der Welt egoistisch erscheinen, aber soll man den moralischen Standpunkt eines Individuums dabei berücksichtigen. Das heißt wir können nicht von jedem Einzelnen die ultimative Selbstaufopferung verlangen.
Aber sollte der moralische Standpunkt eines Individuums auch folgender sein: Können wir die Zukunft den Kindern bieten, die wir ihnen bieten wollen? Müssen Kinder eventuell in einer Welt leben, die von uns ausgebeutet hinterlassen wurde? Können sie miteinander leben ohne die Hölle auf Erden in Form von Kriegen miteinander leben zu müssen?

Ich kann die Frage, ob ich selbst Kinder haben möchte nicht abschließend beantworten. Aber vielleicht ist es auch möglich Kinder zu adoptieren, denen eine Zukunft zu geben, die bisher keine richtige Zukunft haben. Dann kümmert man sich um die, die schon auf der Welt vorhanden sind, hat aber auch einen sehr großen Anteil zum Erhalt des Planeten beigetragen.

8 Comments on “Antinatalismus – Ist es moralisch vertretbar Kinder zu kriegen?

  1. Super Beitrag – allerdings möchte ich trotzdem Kinder haben, weil ich möchte, dass es in Zukunft noch mehr Veganis gibt als eh schon 😀
    Aber ein sehr spannender und auch nachvollziehbarer Ansatz!
    ~Alina

  2. „Häufig sind es Bildungslücken und religiöse Ansichten, die eine unkontrollierte Reproduktion gerade in afrikanischen oder südamerikanischen Ländern vorantreiben.“

    Der Hauptgrund, warum in armen Ländern die Bevölkerung wächst ist ganz einfach, dass die Familie dort oft das einzige soziale Netz ist, auf das man sich verlassen kann. Die Frage, die sich dort die Leute stellen ist nicht ob es moralisch ist, Kinder zu bekommen, sondern wer ihnen mal im Alter den Arsch abwischt, wenn sie es nicht mehr können und sie durchfüttert. Und genau dafür hat man dort dann Kinder, das war bei uns vor gar nicht zu langer Zeit auch nicht anders.

    Je besser der durchschnittliche Lebensstandard und hoch entwickelter dann das soziale System in einem Lande ist, desto mehr nimmt die Geburtenrate dann ab. Aktuell kann man das sehr schön an China beobachten, das gerade vergreist.

    • Da muss ich Dir zum Teil widersprechen. Ja, es kann eine zusätzliche Alterssicherung sein. Aber Kinder bedeuten auch Kosten, sie müssen die Kinder am Leben halten und das ist bei solch niedrigen Lebensstandard sehr selten gegeben. Viele Kinder, gerade Mädchen, werden weggegeben oder so früh wie möglich ausgesetzt. Es ist nun mal auch ein Problem der Bildung und der Religion. Und bei einer Lebenserwartung bis zu 50 jahren machen sie sich selten darüber Gedanken, wer im hohen Alter für sie sorgt. Zumal Eltern in afrikanischen Ländern im hohen Alter häufig auch im Stich gelassen werden. Es gibt sogar Berichte darüber, dass Leute, die das 50. Lebensjahr erreicht haben in Krankenhäusern nicht mehr behandelt werden.

      • Statistiken sollte man richtig interpretieren können… eine durchschnittliche Lebenserwartung von 50 Jahren bedeutet eben nicht zwangsweise, dass kaum einer über 50 Jahre alt wird; ist nämlich die Kindersterblichkeit extrem hoch, wie beispielsweise 133 Todesfälle auf 1000 Lebendgeburten bis zum fünften Lebensjahr in Somalia, dann zieht das natürlich den Durchschnitt massiv nach unten. Das war auch bei uns nicht viel anders, Stichwort Kindbettfieber, bis dann von Semmelweis die Handwaschung der Hebammen eingeführt wurde, und man begann, sich mit der Hygiene zu beschäftigen.

        Hohe Kindersterblichkeit bedeutet höhere Geburtenraten; und es werden auch in diesen Ländern genügend Leute älter als 60 Jahre.

        • Ich denke, da haben wir unterschiedliche Ansichten zu. Zweifelsfrei ist aber die Tatsache, dass sich beide Missstände durch ein höheren Bildungs- und Gesundheitsstandard beheben ließen.

    • ich glaube nicht ,dass sie die kinder nur deshalb bekommen ,weil sie an später ans alter denken.. sie haben einfach nicht die möglichkeit zu verhüten..oder eben aus religiösen gründen ist verhütung nicht erlaubt..viele kinder sterben vor hunger oder auch durch krankheiten schon vor dem schulalter ,kinder werden oft schon im säuglingsalter verkauft oder auch versklavt oder leben auf der strasse ,oder schuften mit 3 oder 4 jahren irgendwo anstatt eine kindheit zu haben . ich denke die menschen wären auch alle glücklicher ,wenn sie nicht so viele kinder bekommen würden , in der schlimmen lage in der sich die meisten befinden.aber ja auch ein mangel an bildung und dadurch mangel an einkünften spielen da eine rolle.es gibt ja auch keine arbeit.. und erstmal müssen die eltern die kinder ja groß kriegen bevor sie auf den gegenwert..also die hilfe im alter ,hoffen könnten.

  3. Hey Justin 🙂

    Ich bin grad auf Litreraturrecherche. Ich möchte mich in meiner Uni-Arbeit genau mit dieser Thematik beschäftigen. Kinder kriegen, Umweltschutz und Antinatalismus. Damit sie einen pädagogischen und nicht ganz so negativen Kontext steht, werde ich vielleicht auch in die Richtung „Welchen Beitrag leistet Auflärung und Sexualpädagogik zum Umweltschutz“.
    Hast du für ersters Literteraturtipps? Steht hinter deinem Blogeintrag auch irgendwelche bestimmte Lektüre?

    Lieben Gruß
    Josi

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