Eine Neuformulierung von Utopias Idee und eine sozialkritische Analyse der modernen Gesellschaft

Konsumkritik

Mit den Anfängen der neuen freien Welt hat sich im Laufe der Zeit eine Gesellschaftsform etabliert das man „Kapitalismus“ nennt. Ein idealer Kapitalismus würde so funktionieren, dass jeder Mensch durch sein eigenes Streben für seinen eigenen Erfolg sorgen kann. Dies entspreche auch den “amerikanischen Traum”. Es wurden Gesellschaften gegründet, es wurden neue Wissensgebiete erforscht. Dem Kapitalismus ist sicher auch die Industrialisierung zu verdanken. Viele Menschen entwickelte durch den Kapitalismus den Ehrgeiz an der Gesellschaft teilzuhaben und einen möglichst hohen Stand in der Gesellschaft zu entwickeln. Anfangs klang dies wie ein guter Plan, allerdings stellten sich im Verlauf der Zeit auch die Schwächen in den Plan heraus. Angetrieben durch den eigenen „Erfolg“ haben Menschen angefangen, wie in einer natürlichen Nahrungskette, die weniger „guten“ (also die weniger gebildeten, die gesellschaftlich schlechter gestellten) Menschen zu unterdrücken, um skrupellos zu noch mehr Erfolg zu führen. Sicher wurde von Seiten der Politik versucht, solche Missstände durch ein Modell der sozialen Marktwirtschaft, einzugrenzen, aber das System der Ausnutzung bleibt bis heute bestehen.

Schlimmer noch wir Deutschen und viele Länder der westlichen Welt sagen, wir stehen recht gut da, weil selbst der „Ärmste“ bessere Chance hat als ein Mensch aus Afrika. Wir haben damit einen Nationalsozialismus in einer völlig anderen und modernen Form eingeführt. Wir konsumieren das, was andere Menschen in anderen Ländern unter erbärmlichen Bedingungen produzieren. Wir wollen im Überfluss konsumieren, wir wollen unter den Schein „einer gerechten Gesellschaft“ jeden „von uns“ diese Art von Konsum ermöglichen und beuten damit Menschen aus ärmeren Ländern und Tiere gleichermaßen aus. Wir haben die Menschen aus Drittweltländern zu einfachen Arbeitskräften degradiert. Wir haben die Tiere in Fabriken gestopft, um jeden den Fleischkonsum möglichst billig zu ermöglichen.

Deswegen bleibt als Fazit nur zu sagen: Wollen wir die Gesellschaft ändern, müssen wir als erstes unseren eigenen Konsum ändern.

Natürlich kann man sich fragen: Wie soll ich meinen Konsum ändern? Das Einkaufen bei Adidas, Nike, H&M, Streetwear etc. wird heutzutage als völlig normal angesehen. Sicher besitzt man wie viele andere auch, eine Geiz ist Geil Mentalität. Aber geh doch einfach mal in einen Laden rein. Schau dir etwas an, was mit der Hand produziert werden müsste, rechne einen Stundenlohn von 8,50€ pro Stunde dagegen und dann frage dich: „Wenn ich das Produkt selbst herstellen müsste, wie viel Zeit würde ich da rein stecken? Kann ich das Produkt dann wirklich zum gleichen Preis mit einem Stundenlohn von 8,50€ verkaufen?“ Die Antwort ist ein klares Nein! Deswegen jedes Mal, wenn Du etwas für einen günstigen Preis kaufst, das nicht aus fairen Handel stammt, machst Du dich an den Missständen woanders schuldig. Du unterstützt mit dem Kauf eines solchen Produktes die Ausbeutung anderer Arbeiter. Wenn Du deinen Konsum verändern willst, bleibt Dir nichts anderes übrig, als Kleidung, Essen und andere Produkte aus fairen Handel zu kaufen. Nicht mal ein Handy kannst du kaufen, ohne zu wissen, ob es fair produziert wurde.

Ich weiß selbst, dass es sich schwierig anhört. Aber wir neigen dazu, Sachen billig einzukaufen und wenn wir sie nicht mehr brauchen weg zu werfen. Eine Jacke müsste als Äquivalenz zum Wert des Herstellungsprozesses eigentlich auch mal 10 Jahre getragen werden. Kannst Du dich daran erinnern, wann du eine Jacke zuletzt mal 10 Jahre getragen hast? Oder hast du Dir eher jährlich oder alle zwei bis drei Jahre eine neue Jacke gekauft? Sei ehrlich mit deiner Antwort auf die Frage.

Sicherlich genügt es nicht allein um den Konsum zu reden. Aber der Konsum ist maßgeblich… Dieser Konsum sorgt dafür, dass die Leute die an der Spitze der kapitalistischen Nahrungskette stehen, am meisten davon profitieren. Angefangen mit den Firmenchef bis zu einem korrupten Politiker in einem Drittweltland, der im Geld schwimmt, und in Wirklichkeit einfach nur ein Söldner der westlichen Welt ist.

Falls Du mir nicht glaubst, dann frag Dich mal wie es früher war… Du hast sicher einen älteren Verwandten, der noch die Nachkriegszeit miterlebte, das Zeitalter vor der Globalisierung des Welthandels kannte. Ich habe schon mit vielen geredet: Es war damals eine Zeit, wo man alte Dinge nicht weggeworfen hatte, sondern sie reparierte.

Ähnliches gilt auch für Tierprodukte. Mal abgesehen davon, dass es meiner Ansicht nach unverständlich ist, dass man Tiere immer noch konsumiert, obwohl man auch gut ohne diesen Konsum leben kann, beuten wir Tiere aus, indem wir auch immer mehr an Tierprodukten haben wollen. Um die Profite zu maximieren, stecken Firmenbesitzer sie in Fabriken, sie lassen die Tiere gerade mal ausgewachsen schlachten, damit sie möglichst wenig Kosten erzeugen. Auch die Bio-Haltung kann nicht als einwandfrei bezeichnet werden. Sogar die Tierfutterproduktion wird in Drittweltländern ausgelagert und dann der Umwelt schadend in Containerschiffen hierher geschifft. Auch hier gilt der maximale Profit: Mensch, Tier, Umwelt sind weniger wichtig. Willst du Mensch, Tier und Umwelt helfen? Dafür gibt es nur eine Lösung: Werd vegan!

Fühlende Lebewesen

Was ist heute eigentlich passiert? Was ist in der Zeit damals passiert? Wie kann die Menschheit zu einer solchen Perversion verkommen?

Ich mache einen kleinen Sprung rückwärts in die Zeit in der ich angefangen habe vegan zu leben. Meine Schule hat einen Klassenausflug nach Berlin gemacht, zu einem Mahnmal der Menschengeschichte, ebenso zu einem Holocaust östlich von Berlin. Mir sind richtig die Tränen gekommen… Meine Frage damals war: Wie können Menschen zu einer solchen Grausamkeit fähig sein? Sicherlich habe ich mich damals auch politisch einzusetzen versucht, Naziaufmärschen entgegengestanden, aber war dies noch längst nicht alles, was ich erfahren sollte.

Ich fand es damals ganz cool Vegetarier zu sein, mir war bewusst, dass für Fleisch Tiere sterben und ich hab der Illusion geglaubt, dass Tiere ein langes glückliches Leben haben werden und kurz vorm Tod geschlachtet werden, damit der Mensch, der seit eher und jeher Fleisch isst, sich vernünftig ernähren kann. Das ist etwas, was mir von meinen Eltern weitergegeben wurde. Es ist etwas, was ich durch die Werbung, die mir täglich gezeigt wurde und von Erzählungen anderer, als völlig normal ansah. Aber dann als ich mich näher mit der vegetarischen Ernährung befasste, bin ich auf den Film Earthlings gestoßen. Das was ich sah, hat mich in meinen Gefühlen traumatisiert, es hat mich zum Nachdenken bewegt. Es war für mich wie ein Weltuntergang.

Hast Du schon mal ein Tier in die Augen gesehen, während es geschlachtet wurde? Zieh den Vergleich zu einem hilflosen Kind. Ein Kind schaut dich mit unschuldigen Augen an. Es ist im voller Vertrauen darauf, weil du größer und stärker bist, du richtig von falsch unterscheiden kannst, es vertraut Dir sein Leben an, es vertraut darauf, dass du ihm die Nahrung gibst, das es braucht. Es versucht sich Dir mitzuteilen, auf die Art und Weise, wie es sich dir mitteilen kann. Kurzum: Ein Kind ist eine unschuldige Seele. Wir würden niemals auf den Gedanken kommen unsere eigenen Kinder zu schlachten, um sie hinterher zu essen. Aber genau so sind Tiere auch, sie unterjochen sich in der Hoffnung, dass wir richtig und falsch unterscheiden können und man kann sie ähnlich wie Kinder führen. Kinder und Tiere haben eine ähnliche Intelligenz. Und trotzdem würden wir ein Kind leben lassen und ein Schwein schlachten, um es zu essen. Welche kranke Perversion ist das?

Das tun wir dann alles noch in einem ausufernden Maß, wir zwingen die Tiere eine menschliche Ordnung auf, dass sie in tägliche Angst und Schrecken versetzt. Ein Kind, das so etwas mit anschauen müsste, weiß das dies Unrecht ist. Ein Tier stellt genauso fest, dass es unrecht ist. Es windet sich in seiner Angst, es gerät in Panik, es versucht zu fliehen, soweit es das kann. Und am Ende ergibt er sich in seiner Angst oder erlebt ein psychotisches Trauma. In der Geflügelhaltung werden zum Beispiel den Vogeltieren die Schnabel abgeschliffen, damit sie sich nicht mehr gegenseitig zerhacken können. In der Schweinehaltung knabbern sie sich gegenseitig die Schwänze und Ohren ab. Hältst Du dies für normal? Dann erlebe diese Tiere mal in der Natur: Normal ist dies nicht.

Wir verurteilen den Holocaust und üben tagtäglich ein Holocaust auf die Tierwelt aus. Wir haben die perfekte Massenvernichtungsmaschinen für die Tiere erfunden. Hitler würde uns heute dankbar für die Erfindung sein und diese Vernichtungsmaschinerie auf die Juden anwenden. Dies mögen zwar drastische Worte sein, aber ich hoffe das dies Dich zum Nachdenken verleitet.

Wir vegan lebende Menschen haben häufiger mit psychologischen Problemen zu kämpfen, allein weil wir diese Empathie gegenüber Tieren empfinden, weil wir dieses tägliche Unrecht nicht akzeptieren wollen und es dennoch täglich erleben. Manchmal wollen wir unsere blanke Wut euch entgegen schreien, manchmal wollen wir uns von diesen Planeten und von dieser perversen Zivilisation entfernen und in einer eigenen Gesellschaftsform leben. Gerade, wenn Du dich in der Weltfriedensbewegung oder veganen/linken Szene bewegst, wirst du immer den Namen der Gesellschaftsform hören: Utopia.

Utopia

Viele verstehen unter dem Begriff “Utopia” einen Roman von Thomas Morus. Thomas Morus baut in seinem Roman eine alternative Gesellschaftform vergleichbar zu den Aborigines in Australien aus. Zeitgleich ist seine Idee und sein Roman auch eine scharfe Kritik zur englischen Gesellschaft in der damaligen Zeit u.a. forderte er auch die Abschaffung der Todesstrafe.
Auffällig an Utopia ist die Grundidee die Form einer einheitlichen Währung und individuellen Besitz abzuschaffen. Thomas Morus vertritt die These, das eine Währung oder Besitz zu Gier untereinander verleitet. Wer die Aborigines kennt, der weiß auch, dass der Besitz für die Aborigines fremd war, alles gehörte der Natur und das was sie von der Natur nahmen, haben sie sich unter ihrem eigenen Stamm aufgeteilt.
Hiermit lässt sich ein Zitat von Thomas Morus zitieren:
„Indessen … scheint mir – um es offen zu sagen, was ich denke – in der Tat so, dass es überall da, wo es Privateigentum gibt, wo alle alles nach dem Wert des Geldes messen, kaum jemals möglich sein wird, gerechte oder erfolgreiche Politik zu treiben, es sei denn, man wäre der Ansicht, dass es dort gerecht zugehe, wo immer das Beste den Schlechtesten zufällt, oder glücklich, wo alles an ganz wenige verteilt wird und auch diese nicht in jeder Beziehung gut gestellt sind, die übrigen jedoch ganz übel …
Wenn ich das, wie gesagt, bedenke, werde ich dem Platon besser gerecht und wundere mich weniger, dass er es verschmäht hat, solchen Leuten überhaupt noch Gesetze zu geben, die die gleichmäßige Verteilung aller Güter ablehnten.“

Sicherlich kann man Thomas Morus Vorstellung von Utopia ablehnen (wenn man sich genauer damit mal befasst hat). Man kann die Idee von Utopia auch weiterführen.  Viele Künstler, Schriftsteller und auch Politiker tun dieses. Auch Karl Marx hat versucht eine alternative Gesellschaftsform zu gründen, die als Ziel die Abschaffung des Eigentums zur Folge hat. Man weiß, dass ein gewalttätiger Umbruch einer Gesellschaft noch nie gut ausgegangen ist … Man kann die Menschen nicht zwingen, etwas zu leben, wovon sie nicht überzeugt sind. Aber wir geraten in eine Welt, die wir in unserem schlimmsten Träumen nicht vorstellen wollen. Wir wissen was auf uns zukommt. Vielleicht die einen mehr oder die anderen weniger. Die Aborigines hatten den Vorteil, dass sie ihre Kinder mit ihrer Ideologie großziehen konnten. Es gab nur wenige Abweichler und sie konnten in der Harmonie mit der Natur leben bis die Engländer kamen.
Wir dagegen, die nichts anderes als den Kapitalismus kennen, müssen uns neu orientieren. Wir müssen lernen wieder eine Harmonie zur Natur zu entwickeln. Wir müssen lernen, was Werte zum Leben bedeuten, was Menschlichkeit bedeutet. Wir können alle nur gewinnen, wenn wir den Krieg mit Worten und nicht mit Waffen führen.
Das ist die Welt in der ich leben möchte und ich hoffe bald ist es soweit. Ich denke mit Car-Sharing, gemeinsamen Teilen, gemeinsamen Aufstehen, mit der Zunahme des gesellschaftlichen Anteils an Vegetariern und Veganern in der heutigen Zeit sind wir auf einem guten Weg dahin. Wir müssen alle dafür sorgen, dass noch mehr Menschen diesen für sie scheinbar schwierigen Weg gehen wollen… Am Ende können wir alle gewinnen und nicht verlieren.

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